Motivorientiertes Führen à la Klopp

In der Zeitschrift STERN gab es neulich einen interessanten Artikel über den Meistermacher von Borussia Dortmund, Jürgen Klopp, und seine „Kunst der Motivation“. Nun mag man zu Fußball und Borussia Dortmund stehen, wie man will – eine Meisterschaft zu bestätigen, den Marktführer aus München 2 x hintereinander abzuhängen, und auch noch den Pokal zu holen – das gelang in den vergangenen 15 Jahren in der Bundesliga niemandem.

Wir Coaches schauen ja gerne in den Spitzensport und suchen die Parallelen zu unserem Business. Was ist die Essenz des Artikels? Zum Thema Motivation fand ich folgende Aussagen von bzw. über Jürgen Klopp spannend:

  1. Klopp beschwört keine ruhmreiche Vergangenheit, sondern definiert klare Ziele, nimmt Probleme vorweg, zeigt Lösungswege auf. Psychologisch betrachtet handelt es sich hier um eine Methode von „mentaler Kontrastierung“, einer Art Verknüpfung von Zukunft und Realität.
  2. „Je mehr man sich um den Einzelnen kümmert, desto mehr bekommt man zurück“.
  3. Klopp setzte schon als Trainer von Mainz 05 das Reiss-Profil ein, um seine Spieler besser kennen zu lernen – getreu dem Motto ‚Wer motivieren will, muss den anderen zuerst verstehen – und dann individuell auf ihn eingehen‘.
  4. „Die Beziehung zu den Spielern spielt bei Klopp ganz offenkundig die entscheidende Rolle“, sagt der Psychologie-Professor Julius Kuhl. Klopp öffne durch das Eingehen auf und das Verstehen seiner Spieler das Unbewusste, das Selbst jedes Spielers. In dieses könne jeder dann die gelernten Dinge integrieren – und dann gehe hinterher sprichwörtlich alles wie von selbst.
  5. Klopp bläute seinen Spielern ein, sich nicht mehr an Rivalen zu messen oder der ruhmreichen Vergangenheit, sondern nur am eigenen Fortkommen. „Wir sind auf dem Weg“, sagt er noch heute, „und wer auf dem Weg ist, muss laufen; wir müssen sogar sehr viel laufen“.
  6. Klopps Methode gründet auf Selbstmotivation. Das erfordert einerseits Empathie, und andererseits aber ein Bewusstsein der eigenen Rolle als Vorbild: Hingabe, Begeisterung, Freude – all das lebt Klopp vor. Er ist damit vergleichbar mit dem ‚transformationalen, charismatischen Führer‘. „Diese formulieren ein Ziel, betonen gleichzeitig die hohen Erwartungen und den festen Glauben an ihre Leute und machen klar, dass die Maßstäbe auch für sie selbst gelten – hierauf basiert ihre Glaubwürdigkeit. Wenn diese Idee die Menschen in ihrem Selbstbild, ihrer Identität berührt, entsteht Identifikation – und erst dies macht die Idee eines Anführers zur charismatischen Vision: Weil jetzt der Einzelne dazu beitragen will, dass aus der Idee Wirklichkeit wird. Das ist das Wesen von Klopps Stahlkraft. Um sie aufrechtzuerhalten, bedarf es ständiger Impulse. Mal langer Ansprachen, mal kleiner Sätze.“
  7. Jürgen Klopp arbeitet weiterhin mit „reframing“, dem Betrachten von Situationen aus einem anderen Blickwinkel, womit sie ihre ursprüngliche Bedeutung verlieren. Häufig gekoppelt mit Humor. (Vor dem Duell mit den Bayern vor einigen Wochen scherzte er bei der Pressekonferenz „Die Münchner werden uns sicher nicht unterschätzen.“)

Zusammengefasst für den Business-Alltag die kleine Motivationsfibel des Meistertrainers:
Ziele formulieren – Lösungswege aufzeigen – den Menschen verstehen – individuell auf ihn eingehen – Beziehungen aufbauen – das Selbst des Gegenübers öffnen – Entwicklung und Fortkommen in den Mittelpunkt stellen – hohe Erwartungen kreieren – an seine Mitarbeiter glauben – kommunizieren – Vorbild sein – Situationen umdefinieren …

In diesem Sinne ‚auf zu Ihrer eigenen Meisterschaft‘!

2 Kommentare

  1. Pingback: Teichgraeber

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