P4P (pay for performance): Geld oder Liebe?

Ein kleiner Nachtrag zu meinem Eintrag ‚Über Liebe und Leadership‘.

Hatte gestern mit einem Coachee eine intensive Diskussion über die Wirkung von ‚leistungsabhängiger Bezahlung‘. Als Vorstand einer mittelgroßen Finanzdienstleisters schilderte er begeistert das neue System, das mit viel Überzeugungsarbeit eingeführt wurde. Das Management wird jetzt leistungsabhängig bezahlt (und zwar auch mit einer Komponente zum Thema ‚Führung‘).

Nachdenklicher wurde er, als ich ihm die letzten Erkenntnisse aus einer Studie von Katja Rost + Margit Osterloh erzählte (‚Management Fashion Pay-for-Performance for CEOs)‚. Das sogenannt P4P (pay for performance) ist häufig nur ein Lippenbekenntnis, bei dem kaum noch ein Zusammenhang zwischen der hohen Bezahlung der leitenden Angestellten und dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens besteht.

Wertschätzung ist vielleicht im ersten Moment nicht so attraktiv. Und doch viel tiefgreifender. Auch und gerade auf den oberen Management-Ebenen. Wie oft wird dort ‚Anerkennung‘ vorausgesetzt, und Feedback vorwiegend in Kritik-Form erteilt. Und die nächsten Ebenen sollen dann Anerkennung und Wertschätzung vorleben. Nicht nur da stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit jedes Einzelnen. In Stein gemeisselte Worte zum Führungsleitbild des Unternehmens brauchen ein Leben in der Wirklichkeit. Wertschätzung ist immer ein Teil von Leadership (mit oder ohne Führungsleitbild). Und häufig hat gerade das Mittelmanagement das Gefühl, sich selbst motivieren und anerkennen zu müssen – mangels Anerkennung von oben.

Ich spüre immer wieder die tiefe Wirkung von Dankbarkeit, Anerkennung, Wertschätzung in der Zusammenarbeit mit Coachees, Kollegen, Auftraggebern. Die mir gut tut. Die mir (ganz nebenbei) zeigt, dass meine Arbeit Sinn macht. Folgen hat. Etwas bewirkt. Ich weiß nicht, ob ich ohne Anerkennung und Wertschätzung meiner Arbeit genauso gut leben könnte.

Doch wie war das noch: ‚Wenn du dich nach etwas sehnst, dann schenke es Anderen. Und es wird zu dir zurückkommen.‘ Probier’n wir’s einfach mal. Ich fang direkt an – mal sehen, wer mir in diesen Tagen noch über den Weg läuft …

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