Psychologisches Kapital

Psychologisches Kapital. Auf den Begriff spring ich gleich an. Hab ich doch jahrelang dafür gekämpft, dass ich bei meiner Vorstellung als Trainer & Berater mit der Berufsbezeichnung ‚Psychologe‘ nicht mehr Widerstände geweckt habe als alles andere. – Der Zeitgeist, glaube ich übrigens, hat letztlich dafür gesorgt, dass Führungskräfte HEUTE bei Psychologen nicht nur an abgehalfterte, mit eigenen Problemen behaftete, mehr oder weniger kauzige Individuen denken. –

Und nun also ‚psychologisches Kapital‘. Ein neues Schlagwort nach Humankapital, Sozialkapital und intellektuellen Kapital. Erstmals erwähnt 2007 von amerikanischen Organisationspsychologen Fred Luthans, der das „Kapital“ dort wieder ansiedelt, wo es herkommt: im Kopf des Menschen. Kürzlich erst berichtete die aktuelle Ausgabe der ‚Wirtschaftspsychologie aktuell‘ über das Konstrukt. Der Ansatz geht auf die Positive Psychologie zurück und fokussiert im wesentlichen auf 4 Aspekte:

  • Selbstwirksamkeit (’self efficacy‘): meint die Fähigkeit, zur Zielerreichung eigene kognitive Ressourcen aktivieren zu könne. Oder kürzer: an seine eigenen Fähigkeiten glauben.
  • Hoffnung (‚hope‘): meint die Fähigkeit, eine zielführende Strategie zu entwickeln und den Glauben, das Ziel erreichen zu können. Oder kürzer: an den gesteckten Zielen festhalten.
  • Optimismus (‚optimism‘): bezeichnet den sog. selbstwertdienlichen Attributionsstil: Erfolge werden auf die eigenen, stabilen Fähigkeiten zurückgeführt. Oder kürzer: an den eigenen Erfolg glauben.
  • Widerstandsfähigkeit (resilience‘): meint die Fähigkeit, sich nach Fehlschlägen schnell zu erholen. Oder kürzer: Probleme bewältigen und Hürden überwinden.

Ein netter Nebeneffekt übrigens, und leicht zu merken: In einer abgeänderten Reihenfolge (Hope, Efficacy, Resilience, Optimism entdecken wir den HERO in uns – mit genügend psychologischem Kapital, versteht sich.

Nun sind ja US-Studien nicht immer übertragbar auf deutsche Verhältnisse. Umso erfreulicher, dass es Prof. Dr. Rüdiger Reinhardt (Fernhochschule SRH Riedlingen) erstmals gelungen ist, die Grundannahmen zu bestätigen.

Was bedeutet das für das Thema ‚Führung‘? Aus meiner Sicht gibt es 2 wesentliche Schlussfolgerungen:

  1. Wenn Führungskräfte selbst über Psychologisches Kapital verfügen, können sie ihre Mitarbeiter entsprechend stärken zum Thema Optimismus, Selbstvertrauen & Widerstandsfähigkeit. Und damit ein Mehr an Leistung erreichen.
  2. Ohne Vorbild an Psychologischem Kapital kein Plus an Leistung.

Und was heißt das für die Praxis? Wieder 2 Schlussfolgerungen:

  1. Bei der Einstellung / Beförderung von Führungskräften ist das Vorhandensein von Psychologischem Kapital von entscheidender Bedeutung.
  2. Er wartet eine Menge Arbeit auf uns Trainer & Coaches.

Und für mich? Hier reicht schon eine Schlussfolgerung:

  1. Es wird keine 5 Jahre mehr brauchen, bis allein die Berufsbezeichnung ‚Psychologe‘ ein achtungsvolles Raunen bei den Teilnehmern auslöst. (AUA!)

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ‚frohe Ostern‘. Da ich auch gelegentlich dazu neige, das Glas nicht nur halbvoll zu sehen, werde ich die Zeit nutzen, um nach einem Training zu suchen, wie ich bei eigenem mürrisch-gedrücktem Gemütszustand meinen Seminarteilnehmern ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern kann.

Es gibt einen Weg nach Ostern.

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