Vorwärts. Aber anders.

Meine lange Arbeit mit Menschen hat mich eines gelehrt – eigene Veränderung braucht Zeit. Mal ganz abgesehen von der vorausgehenden Einsicht und dem Willen zur Veränderung. Und selbst wenn alles da ist, auch noch irgendwie Selbstdisziplin, Offenheit zu lernen, und dranbleiben.

Lange habe ich geglaubt, ich hätte es immer selbst in der Hand – zu gestalten, zu beeinflussen, zu handeln. Das Virus mit all seinen Folgen und von Außen diktierten Einschränkungen hat mich eines anderen belehrt. Und mich zurückgeworfen auf das, was ich wirklich beeinflussen kann, selbst in der Hand habe: Meine Einstellung. Meine Haltung. Meine Werte. Und meine Resilienz (‘innere Stärken & Widerstandskraft’).

Und jetzt kommt meine Persönlichkeit ins Spiel. In den Farben von Management Drives: Orange & rot. In keywords: Etwas erreichen, entscheiden, (an)treiben. Einfach machen. (Getreu meinem Motto: ‘Machen ist wie wollen – nur krasser.’) Das Jahr 2020 war definitiv nicht eines, das mich in meiner ‘Ur-Persönlichkeit’ gestärkt hat. Mich hat nicht nur das Virus ausgebremst. Auch private Ereignisse in Familie & Freundeskreis (siehe anderen Blogartikel) haben andere Qualitäten gefordert und gefördert: Meine “Halte-Qualitäten” – hinschauen, wahrnehmen, Ernst nehmen, zuhören, abwarten. Mal nicht planen, organisieren, entscheiden, umsetzen. Darüber habe ich viel gesprochen und reflektiert, mit Freunden, Gleichgesinnten und Andersdenkenden. Privat und beruflich.

Was ich erlebt habe, ist eine neue Offenheit. Ja, vielleicht auch mehr Distanz – in Metern, und ohne Anfassen. Und eben auch eine Offenheit zu reden, sich mitzuteilen, auszutauschen. Geradezu eine Sehnsucht danach. Und einen viel leichteren Zugang zu einander.

Was das für Leadership bedeutet? Sehr verkürzt, eine Riesen-Chance und eine Riesen-Notwendigkeit. Nie lagen die Gefühle so an der Oberfläche wie in diesen Zeiten. So bin ich als Leader heute mehr denn je eingeladen, das zu tun, was Goleman in seinem Konzept der ‘Emotionalen Intelligenz’ schon vor Jahren gefordert hat – seine eigenen Gefühle zu kennen und zu verstehen, und entsprechend emphatisch mit den Emotionen anderer umzugehen.

So heißt “Vorwärts” für mich heute ‘innehalten, mir Zeit nehmen, nachfragen, in Kontakt gehen, zuhören und (vielleicht) verstehen’. Heißt Raum geben, mich trauen persönlich zu werden. Von mir zu erzählen und an den Erfahrungen meiner Gesprächspartner teilzuhaben. Neugierig zu sein. Ganz da zu sein. In jedem Gespräch mir Zeit für ein wirkliches “wie geht es dir” zu nehmen.

Wie gehen Sie vorwärts in Virus-Zeiten?

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