Ein Steinbock blickt zurück

 

Ein eher persönlicher Beitrag.

Ups. Schon wieder ein Jahr vorbei. Klar, bald ist 2008 zuende. Ich denke aber an mein Jahr. Heute ist mein Geburtstag. Zeit für eine Bilanz. Als MBTI-Test-Verwender (wer des Englischen mächtig ist, kann ihn hier machen – Stichwort: Personality Type Assessment) und ausgeprägter T-Typ fallen mir natürlich zuerst einige Zahlen ein:
– 366 Tage gab es in diesem meinem Lebensjahr, davon 129 Arbeitstage mit Teilnehmern, und davon 51 in englischer Sprache
– 129 Arbeitstage mit Teilnehmern, davon 42 in Förderprogrammen, 32 in Workshops, 15 mit Development oder Assessment Centern, 14 in Großgruppen, 14 in Teamentwicklungen, 12 in Coachings
– 17 Tage „gemachte“ Weiterbildung und 12 Tage abgesagte (‚zuviel Arbeit‘)

Privat gab es
– 7 Wochen Urlaub, davon 3 mit meinen Kindern
– 40 weitere Tage ‚freie Zeit‘ mit meinen Kindern
– 2 Hochzeiten, davon 1 eigene

T-Typ hin oder her: Was bleibt sind nicht die Zahlen. Was bleibt sind die (erinnerten) Emotionen. Und besonders die mit ‚dem (kleinen) Glück in mir‘: Die Umarmung bei einem Wiedersehen mit meinen Jungs nach 4 Wochen. Ihre und meine Freude. Das Wagnis nochmal ‚Ja‘ zu sagen. Der Sturm bei unserem Spaziergang zum Ostende von Langeoog. Innerhalb von 3 Minuten völlig durchnässt sein. Mein tiefes Glück als ich mein Eheversprechen singe (und meine Frau nicht davonläuft). Der Quarkkuchen im Café Namenlos in Ahrenshoop nach einer Wanderung an der Ostseeküste im Februar. Der Geruch von frischen Trüffeln auf den Spaghetti in unseren Flitterwochen. Der erste Heiligabend seit 20 Jahren mit meinen Eltern. Die Ankunft meiner Frau nach einer Woche Allein-Urlaub mit meinen Kindern. Dass der Weihnachtsbaum in den Ständer gepasst hat. Und so vieles mehr …

– Eine halbe Stunde später, nachdem ich mich von der Flut der Erinnerungen wieder erholt habe –

In einem spannenden Artikel in der SZ Wissen Januar/Februar 2009 – der leider nicht online verfügbar ist – beschreiben die Autoren, dass und wie wir selbst Einfluss nehmen können auf das (wahrgenommene) Tempo unseres Lebens. Und auch das Gefühl beeinflussen können, die Zeit renne uns davon. In unserem Gehirn finden wir Belege für ‚das subjektive Erleben‘, nicht für ‚objektive Zeit‘. Und so kommt uns unser Jahr in der Erinnerung länger vor, wenn es voller Erlebnisse war. An die wir uns umso besser erinnern, je emotionaler sie waren. Wenn wir also von Weihnachten überrascht werden (wie, schon wieder?) sind weniger Ereignisse des Jahres im Gedächtnis geblieben. Was übrigens in alternden Gesellschaften häufiger vorkommen soll. Wegen der zunehmenden Verschlechterung des Speicherprozesses ins Langzeitgedächtnis bei steigendem Alter. Und wegen dem möglicherweise abnehmenden Reiz des Neuen, emotional Aufregenden mit zunehmender Lebenserfahrung.

Hoppla – wie hatte ich diesen Beitrag noch begonnen? ‚Schon wieder ein Jahr vorbei‘. Zeit den Tatsachen ins Auge zu sehen. ‚Zunehmende Lebenserfahrung‘ also als Ursache für zu schnell empfundene Zeit. Schöner Begriff. (Fast so schön wie best-ager oder silversurfer.)

Für mich war es das Jahr der Entscheidung. Das entscheidende Ja. Es fiel am 5. Juli.

Und wir werden es jährlich feiern. Immer wieder anders. Das sollte ausreichen, um mir das Jahr langsamer erscheinen zu lassen.

Vom Liedership zum Leadership

Ein Samstag Abend voller Leidenschaft. Laith Al Deen in Concert in einer zugegebermaßen weniger bekannten hessischen Kleinstadt namens Hanau. Wie schafft der Mann das nur? Die Texte voller Poesie, die ganze Band voller Energie und mit unglaublichem Spaß dabei. 2 Stunden lang live-act vom Feinsten.

Es hat mich beeindruckt. Er hat mich beeindruckt. Wie ein Mensch es schafft, der 598. Wiederholung einer Tätigkeit die gleiche Energie zu geben wie beim 1. Mal. Wie er es schafft, 7 sehr unterschiedliche Menschen zu einem Team zusammen zu bringen. Wie er es schafft, seine Leidenschaft nicht nur auf die Mit-Handelnden sondern auch auf das Publikum, seine Kunden, zu übertragen. Wie er es schafft, diesem einen Konzert den ‚taste of uniqueness‘ zu geben.

Ich fühle mit mitgenommen, mitgerissen, angesteckt, verbunden, emotionalisiert. Bereit einen Weg mitzugehen. So fühlt sich Lieder-ship an, oder?

Und Sie? Ihr Style of Leadership? Stellen Sie sich einmal vor, Ihre Mitarbeiter wären bei der 95. Durchführung Ihres Bereichsmeetings so drauf. Verbunden und angesteckt. Neugierig und energiegeladen. An Ihren Lippen hängend. Bereit für den nächsten Schritt. Proaktiv.

Wie heißt bloß das Zauberwort?

No emotions!

Gefühle. Mittlerweile akzeptierter Bestandteil von Führung. Und doch frage ich mich immer wieder, wie ich sachorientierte Manager davon überzeugen kann, dass Sie ihre Gefühle ernst nehmen. Und die ihrer Mitarbeiter. Und weder sich noch die Anderen als Weicheier abtun.

Ed Norman von N Vision schreibt dazu (und noch viel mehr Beiträge zum ‚Business of Emotions‘):

The word emotion means to “move out of.” When we feel emotion, we feel something coming out of us. There is a movement of feeling within us. And for many people this movement is experienced as scary. It feels like something out of our control. Thinking is much safer. We have been led to value our thoughts, to channel them and control them. Most people would side more readily with Descartes when he said “I think, therefore, I am” rather than with Rousseau who said “I feel, therefore, I am.”

Also hat Emotion etwas mit Bewegung zu tun (aus dem Lateinischen „ex „heraus“ und ‚motio‘ „Bewegung, Erregung“). Bleibt die Frage, wie ich mich als Manager auf Emotionen zu bewege. Oder von Anderen dazu bewegen lasse.

Meine eigene Lebensgeschichte hat mich Gefühle lange tief in meinem Innern verschließen lassen. Den Schlüssel habe ich erst spät gefunden. Weil es eine Krise gab. Und nicht weil jemand schlaue Gedanken in einem weblog-Beitrag formuliert hat … 🙂

Doch braucht es immer erst Krisen, um ins Fühlen zu kommen? Um eigene Gefühle und die meiner Mitarbeiter wahr- und ernstzunehmen?