In eigener Sache: Definition von Glück

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Am 14. September um 5.16 Uhr kam unsere Tochter Lene zur Welt. 31 Tage zu früh. Gesund und munter. Meine erste Tochter. Das Leben schenkt mir noch einmal die Chance, ein kleines Wesen durch sein Leben zu begleiten. Wirklich für sie da zu sein.

Alles ist anders. Nichts bleibt wie es war. Auch meine Definition von Glück:

  • Die winzigen Finger meiner Tochter Lene auf meinem Daumen.
  • Ihr erstes Lächeln.
  • Die zarte, rosige Babyhaut beim Wickeln leise streicheln.
  • Als meine Frau unsere Tochter das erste Mal anlegt und sie trinkt.
  • Das erste La-Le-Lu für Lene singen, die in meinen Armen liegt.
  • Ein heißer Krankenhaus-Kaffee nach einer Nacht mit 4 x 90 Minuten Schlaf.
  • Lene trinkt 40ml Milch auf einmal in 10 Minuten.
  • Jeder Fehlalarm auf dem Atem-Überwachungs-Monitor.
  • Lene auf meiner nackten Haut im Bett beruhigen und spüren wie sie loslässt und ankommt.
  • Dass der Blutzucker-Wert jetzt seit 6 Messungen in Ordnung ist.
  • Wenn sie die tiefblauen Augen öffnet, die Stirn runzelt und mich beim Flasche-Geben ernsthaft ansieht.
  • Eine volle Windel.
  • 15qm Krankenhaus-Zimmer zu dritt für 1 Woche teilen.
  • Nach Wickeln, Beruhigen, Trösten den Sportteil des Leverkusener Anzeigers lesen.
  • Lene, wie sie in die Kamera guckt.
  • Eine frische Tomate auf dem allabendlich gleichen Krankenhaus-Abendessen-Tablett.
  • Die Kraft mit der sie ihre Fäustchen in den Mund hält, wenn sie Hunger hat.
  • Ihr Protestgeschrei und Lebenskraft, wenn ich ihr die Windel wechsle.
  • Wenn sie wie verrückt an meinem Finger saugt, bevor die Milchbar kommt.
  • Die erste Gewichtszunahme von 50 Gramm.
  • Lene auf meinen Knien.

Planung war gestern. Heute ist Lene. In tiefer Dankbarkeit und voller Glück.

Ein Steinbock blickt zurück

 

Ein eher persönlicher Beitrag.

Ups. Schon wieder ein Jahr vorbei. Klar, bald ist 2008 zuende. Ich denke aber an mein Jahr. Heute ist mein Geburtstag. Zeit für eine Bilanz. Als MBTI-Test-Verwender (wer des Englischen mächtig ist, kann ihn hier machen – Stichwort: Personality Type Assessment) und ausgeprägter T-Typ fallen mir natürlich zuerst einige Zahlen ein:
– 366 Tage gab es in diesem meinem Lebensjahr, davon 129 Arbeitstage mit Teilnehmern, und davon 51 in englischer Sprache
– 129 Arbeitstage mit Teilnehmern, davon 42 in Förderprogrammen, 32 in Workshops, 15 mit Development oder Assessment Centern, 14 in Großgruppen, 14 in Teamentwicklungen, 12 in Coachings
– 17 Tage „gemachte“ Weiterbildung und 12 Tage abgesagte (‚zuviel Arbeit‘)

Privat gab es
– 7 Wochen Urlaub, davon 3 mit meinen Kindern
– 40 weitere Tage ‚freie Zeit‘ mit meinen Kindern
– 2 Hochzeiten, davon 1 eigene

T-Typ hin oder her: Was bleibt sind nicht die Zahlen. Was bleibt sind die (erinnerten) Emotionen. Und besonders die mit ‚dem (kleinen) Glück in mir‘: Die Umarmung bei einem Wiedersehen mit meinen Jungs nach 4 Wochen. Ihre und meine Freude. Das Wagnis nochmal ‚Ja‘ zu sagen. Der Sturm bei unserem Spaziergang zum Ostende von Langeoog. Innerhalb von 3 Minuten völlig durchnässt sein. Mein tiefes Glück als ich mein Eheversprechen singe (und meine Frau nicht davonläuft). Der Quarkkuchen im Café Namenlos in Ahrenshoop nach einer Wanderung an der Ostseeküste im Februar. Der Geruch von frischen Trüffeln auf den Spaghetti in unseren Flitterwochen. Der erste Heiligabend seit 20 Jahren mit meinen Eltern. Die Ankunft meiner Frau nach einer Woche Allein-Urlaub mit meinen Kindern. Dass der Weihnachtsbaum in den Ständer gepasst hat. Und so vieles mehr …

– Eine halbe Stunde später, nachdem ich mich von der Flut der Erinnerungen wieder erholt habe –

In einem spannenden Artikel in der SZ Wissen Januar/Februar 2009 – der leider nicht online verfügbar ist – beschreiben die Autoren, dass und wie wir selbst Einfluss nehmen können auf das (wahrgenommene) Tempo unseres Lebens. Und auch das Gefühl beeinflussen können, die Zeit renne uns davon. In unserem Gehirn finden wir Belege für ‚das subjektive Erleben‘, nicht für ‚objektive Zeit‘. Und so kommt uns unser Jahr in der Erinnerung länger vor, wenn es voller Erlebnisse war. An die wir uns umso besser erinnern, je emotionaler sie waren. Wenn wir also von Weihnachten überrascht werden (wie, schon wieder?) sind weniger Ereignisse des Jahres im Gedächtnis geblieben. Was übrigens in alternden Gesellschaften häufiger vorkommen soll. Wegen der zunehmenden Verschlechterung des Speicherprozesses ins Langzeitgedächtnis bei steigendem Alter. Und wegen dem möglicherweise abnehmenden Reiz des Neuen, emotional Aufregenden mit zunehmender Lebenserfahrung.

Hoppla – wie hatte ich diesen Beitrag noch begonnen? ‚Schon wieder ein Jahr vorbei‘. Zeit den Tatsachen ins Auge zu sehen. ‚Zunehmende Lebenserfahrung‘ also als Ursache für zu schnell empfundene Zeit. Schöner Begriff. (Fast so schön wie best-ager oder silversurfer.)

Für mich war es das Jahr der Entscheidung. Das entscheidende Ja. Es fiel am 5. Juli.

Und wir werden es jährlich feiern. Immer wieder anders. Das sollte ausreichen, um mir das Jahr langsamer erscheinen zu lassen.