Über den Sinn und Unsinn von Meetings

Gestern Abend im Coaching: Wir analysieren den Tag. Stellen fest, dass der Coachee (Führungskraft) bislang 8 Meetings hatte. Mit einer wechselnden Zahl von Gesprächspartnern. Einzige Pause: 30 Minuten zu einem mit dem Team verabredeten Mittagessen, das fast einem sich in die Länge ziehenden Jour-fix zum Opfer gefallen wäre.

Ich frage mich, wo der Raum bleibt. Raum für Gespräche mit Mitarbeitern. Unvorhergesehenes. Die nächsten 64 Mails. Raum für sich selbst. Raum für Kreativität, vorausschauendes Denken, Strategien. Immerhin schaffen es manche, sich wenigstens noch 10% ihres Tages NICHT verplanen zu lassen. Der Rest geht zu Lasten der eigenen Zeit oder der Verlängerung des normalen 10-Stunden-Tages auf 12 Stunden ….

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob nicht eine andere Form von Meeting machbar wäre. Gerade wenn es um standortübergreifende Meetings geht. Wenn die Teilnehmer quer durch Deutschland / Europa verteilt sind. Keine reale, sondern eine virtuelle Begegnung: Telefon- oder Videokonferenz. Allerdings (und das zeigen Forschungen über die Gefahren von ‚virtuellen Teams‘) gibt es deutliche qualitative Unterschiede zu wirklichen Meetings, bei denen sich die Teilnehmer in einem Raum versammeln. Letztlich ist für die Entscheidung, ob reale oder virtuelle Begegnung, sicher das Ziel einer solchen Besprechung entscheidend. Und in welchem Rahmen einer wie auch immer gearteten Prozesskette sie sich befindet.

Andererseits löst diese Form von virtuellen Meetings nicht die Grundfrage, nämlich ob überhaupt die Teilnahme an dem Meeting wichtig ist. Wieso hat die Zahl von Meetings in den letzten Jahren so exorbitant zugenommen? Ist es eine Folge eines anderen Führungs- und Kooperationsstils? Bei dem der Mensch wichtiger geworden ist? Oder ist die zunehmende Komplexität nur in Begegnung mit vielen Fach-Richtungen zu managen? Oder geht es um Absicherung? Um ’sich zeigen‘? Um ‚wichtig sein‘?

Stellt sich einem doch die Frage, ob eine Teilnahme bestimmter Personen überhaupt notwendig ist. Oder das Meeting als solches… Eine amüsante Darstellung dazu findet sich auf YouTube.

https://www.youtube.com/watch?v=ud0kLqaXYRc

Ich musste herzlich lachen. Mit etwas Selbstdistanz als Teil von Leadership gibt es durchaus Parallelen zum Business-Alltag. Oder? Wann waren Sie das letzten Mal bei einem Meeting, wo Sie eigentlich nur ‚wichtig‘ waren, aber nicht ’notwendig‘ ….