Es gibt keinen Zufall, oder?

 

Ich glaube nicht an Zufälle. Auch wenn ich mich nicht für besonders esoterisch halte. Ich glaube aber daran, dass …

  • … uns bestimmte Dinge deshalb passieren, weil sie etwas mit ungelösten Themen unserer Persönlichkeit zu tun haben,
  • … und wir sie als Hinweise verstehen können, welche Dinge in unserem Leben gerade ‚dran sind‘.

So schenkt uns das Leben immer wieder die Möglichkeit etwas zu bearbeiten, was wir noch anders bewältigen können als bisher. Eine Betrachtungsweise, die sich lohnt, finde ich. Die einzige Herausforderung besteht darin, die Hinweise auch richtig zu entschlüsseln. Hier liegt natürlich die Crux: Sind wir gerade besonders verstrickt in einzelne Themen, verstehen wir vielleicht nicht auf Anhieb, was uns ‚das Leben mit dieser Aktion gerade sagen will‘. Hier können aber Freude, Kollegen, Coaches, …. helfen, das Verstehen zu vertiefen und die richtigen Fragen zu stellen.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Ich kenne jemand, nennen wir sie Frau Y, die immer wieder deutliche Unzufriedenheiten in Ihrem Job spiegelt. Letztlich aber hoch loyal ist und den Wechsel scheut. Nun kommt Frau Y vor einigen Monaten nach Hause, und findet einen ihrer Küchenhängeschränke nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz vor: Er ist einfach von der Wand gefallen. Nun haben Sie vielleicht schon selbst einmal Küchenhängeschränke angebracht. Die mit den dicken Dübeln. Haben Sie je von einem von der Wand gefallenen Küchenhängeschrank gehört? Ich nicht. Was schließen Sie aus diesem Ereignis? Und was würden Sie Frau Y fragen?

Einige Wochen später. Frau Y geht am Wochenende fröhlich aus dem Haus, um sporteln zu gehen. Einige km mit dem Auto, dann wäre sie da. Doch wo ist das Auto? Zumindest nicht mehr an der Stelle, wo sie es am Tag davor geparkt hat. Einfach verschwunden. Ein Anruf bei der Polizeit klärt auf – es wurde abgeschleppt.

Also ich finde, deutlicher geht es doch nicht, oder? Erst will der Küchenschrank schon weg aus der Wohnung, dann hält es das eigene Auto nicht mehr am Platz – mehr noch, jemand schleppt es ab. Ich frage mich, welche symbolhaften Ereignisse es noch braucht, um den Arbeitgeber zu wechseln …

Also geben Sie gut 8, welche Hinweise das Leben Ihnen in den nächsten Stunden und Tagen gibt. Und viel Spaß beim Entschlüsseln!

 

Psychologisches Kapital

Psychologisches Kapital. Auf den Begriff spring ich gleich an. Hab ich doch jahrelang dafür gekämpft, dass ich bei meiner Vorstellung als Trainer & Berater mit der Berufsbezeichnung ‚Psychologe‘ nicht mehr Widerstände geweckt habe als alles andere. – Der Zeitgeist, glaube ich übrigens, hat letztlich dafür gesorgt, dass Führungskräfte HEUTE bei Psychologen nicht nur an abgehalfterte, mit eigenen Problemen behaftete, mehr oder weniger kauzige Individuen denken. –

Und nun also ‚psychologisches Kapital‘. Ein neues Schlagwort nach Humankapital, Sozialkapital und intellektuellen Kapital. Erstmals erwähnt 2007 von amerikanischen Organisationspsychologen Fred Luthans, der das „Kapital“ dort wieder ansiedelt, wo es herkommt: im Kopf des Menschen. Kürzlich erst berichtete die aktuelle Ausgabe der ‚Wirtschaftspsychologie aktuell‘ über das Konstrukt. Der Ansatz geht auf die Positive Psychologie zurück und fokussiert im wesentlichen auf 4 Aspekte:

  • Selbstwirksamkeit (’self efficacy‘): meint die Fähigkeit, zur Zielerreichung eigene kognitive Ressourcen aktivieren zu könne. Oder kürzer: an seine eigenen Fähigkeiten glauben.
  • Hoffnung (‚hope‘): meint die Fähigkeit, eine zielführende Strategie zu entwickeln und den Glauben, das Ziel erreichen zu können. Oder kürzer: an den gesteckten Zielen festhalten.
  • Optimismus (‚optimism‘): bezeichnet den sog. selbstwertdienlichen Attributionsstil: Erfolge werden auf die eigenen, stabilen Fähigkeiten zurückgeführt. Oder kürzer: an den eigenen Erfolg glauben.
  • Widerstandsfähigkeit (resilience‘): meint die Fähigkeit, sich nach Fehlschlägen schnell zu erholen. Oder kürzer: Probleme bewältigen und Hürden überwinden.

Ein netter Nebeneffekt übrigens, und leicht zu merken: In einer abgeänderten Reihenfolge (Hope, Efficacy, Resilience, Optimism entdecken wir den HERO in uns – mit genügend psychologischem Kapital, versteht sich.

Nun sind ja US-Studien nicht immer übertragbar auf deutsche Verhältnisse. Umso erfreulicher, dass es Prof. Dr. Rüdiger Reinhardt (Fernhochschule SRH Riedlingen) erstmals gelungen ist, die Grundannahmen zu bestätigen.

Was bedeutet das für das Thema ‚Führung‘? Aus meiner Sicht gibt es 2 wesentliche Schlussfolgerungen:

  1. Wenn Führungskräfte selbst über Psychologisches Kapital verfügen, können sie ihre Mitarbeiter entsprechend stärken zum Thema Optimismus, Selbstvertrauen & Widerstandsfähigkeit. Und damit ein Mehr an Leistung erreichen.
  2. Ohne Vorbild an Psychologischem Kapital kein Plus an Leistung.

Und was heißt das für die Praxis? Wieder 2 Schlussfolgerungen:

  1. Bei der Einstellung / Beförderung von Führungskräften ist das Vorhandensein von Psychologischem Kapital von entscheidender Bedeutung.
  2. Er wartet eine Menge Arbeit auf uns Trainer & Coaches.

Und für mich? Hier reicht schon eine Schlussfolgerung:

  1. Es wird keine 5 Jahre mehr brauchen, bis allein die Berufsbezeichnung ‚Psychologe‘ ein achtungsvolles Raunen bei den Teilnehmern auslöst. (AUA!)

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ‚frohe Ostern‘. Da ich auch gelegentlich dazu neige, das Glas nicht nur halbvoll zu sehen, werde ich die Zeit nutzen, um nach einem Training zu suchen, wie ich bei eigenem mürrisch-gedrücktem Gemütszustand meinen Seminarteilnehmern ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern kann.

Es gibt einen Weg nach Ostern.