Das Handy und ich – oder: Gewöhnung, Abhängigkeit oder Sucht?

 

Unglaublich. Wie bin ich früher ohne dieses Teil eigentlich klargekommen. Sie verstehen nicht worum es geht? Etwas mehr Hintergrund? Gerne.

Fahr ich doch letzte Woche auf Seminar. Eigentlich wie immer. Anders war, dass ich sowohl Portmonnaie wie auch Handy vergessen hatte. Warum auch immer. 1 Stunde später bemerkte ich mein Missgeschick. Umkehren? Zu spät. Genug Sprit? Könnte reichen. Für solche Fälle habe ich immer 50.- Euro in der Mittelkonsole. Aber kein Handy? Wie soll das gehen? Wo ich doch auch mit meinem Laptop übers Handy surfe … – kein Internet, keine Mails, keine Verbindung, keine Geschäftsanrufe, kein Familienanrufe.

Im Hotel in Waldenburg angekommen, lasse ich mir einen Internet-Anschluss in den Seminarraum legen. Funktioniert nicht. Ich könne doch das WLAN nutzen, bräuchte nur meine Kreditkartendaten, sagt die Rezeption. OK, aber die hab ich ja nun nicht dabei.  Ins Internet kann ich auch nicht im Hotel, es gibt keinen öffentlichen Zugang. Nur im Büro. Telefonzellen oder -Apparate stehen hier auch nicht mehr rum. Verzweifelt probiere ich das Telefon auf den Zimmer. Na wenigstens funktioniert das.

Auf meinen Hilferuf hin schickt mir meine Frau Handy und Kreditkarte per Kurier. Gute Aussichten – nur noch 18 Stunden ohne. Trotzdem liege ich abends lange wach. Was wenn ich nun Mails verpasst hab? Dringende Anrufe? Ich kann mich kaum erinnern, dass es Zeiten ohne Handy gab. Muss im letzten Jahrtausend gewesen sein.

Am Tag danach. Pünktlich kommt das langersehnte Päckchen. Endlich wieder online. Erstaunlich, dass die Welt sich überhaupt weiter gedreht hat. Gut dass ich nicht twittere. Sonst hätte  26 Stunden lang niemand gewusst, dass ich gar nicht hätte twittern können. Mangels Handy.

Mit etwas Abstand zum Ereignis denke ich über meine Abhängigkeit nach. Oder sollte ich eher von ‚Sucht‘ sprechen?

„Sucht ist der umgangssprachliche Begriff für verschiedene medizinisch-psychologische Krankheitsbilder. In der Fachwelt ist er durch die Begriffe Abhängigkeitssyndrom für substanzgebundene Abhängigkeiten und Impulskontrollstörung, Zwangsstörung oder Verhaltenssucht für nicht-substanzgebundene Abhängigkeiten ersetzt worden …“ (Wikipedia).

Wie auch immer. Klingt beides nicht besonders. Was tun? Vielleicht gibt’s eine Entzugsklinik, für das ‚ich-kann-nicht-ohne-Handy-Syndrom‘. Oder ich fange bei mir selbst an. Und mache mal 2 Tage Urlaub vom Handy. Genau. Jeder Weg beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt.

Also – wenn Sie mich demnächst mal nicht direkt erreichen, wissen Sie, dass ich an meinen Gewohnheiten arbeite …